Annamaria Fisler

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Montessori oder die Förderung zur Selbstwirksamkeit

Die Pädagogik nach Maria Montessori basiert auf den Bedürfnissen des Kindes. Sie unterstützt jedes Kind bei seiner individuellen Entwicklung, indem sie ihm Raum für freie Entscheidungen gibt und ihm hilft, selbständig zu denken und zu handeln. Es wird dabei besonders auf die sensiblen Perioden (Phasen, in denen der Mensch etwas mit Leichtigkeit aufnimmt) des Kindes eingegangen.

Die auf der Montessori-Pädagogik basierende Erziehung geht davon aus, dass es nur der Mensch selbst sein kann, der sich erzieht. Wahre Erziehung und Entwicklung kann nicht von Außen herangetragen werden, sie findet im Individuum selbst statt. Um eine optimale Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten zu gewährleisten, ist es entscheidend eine Umgebung zu gestalten, die den inneren Bedürfnissen des Kindes entspricht. In dieser sogenannten vorbereiteten Umgebung hat jedes Material seinen festen Platz und ist für das Kind leicht zugänglich. Die klare Anordnung der Lernmaterialien hilft dem Kind einerseits, sich in seiner Umgebung richtig zu orientieren, andererseits lernt das Kind durch die Äußere Ordnung, eine eigene innere Ordnung zu finden. (Bild rechts: Annamaria Fisler)

Während des Unterrichts bewegt sich das Kind frei. So wird der natürliche Bewegungsdrang des Kindes nicht unterdrückt. Das Kind holt sich das von ihm gewünschte Lernmaterial und bringt dieses später auch selbständig wieder zurück. Durch den starken Aufforderungscharakter des Lernmaterials, findet das Kind Interesse an den zu vermittelnden Lerngebieten. Es entwickelt Freude und Behutsamkeit beim Umgang mit dem Material. Die Lehrperson drängt sich im Allgemeinen nicht auf, sie bleibt lediglich Beobachter und hilft gezielt wo dies notwendig ist. Beim Umgang mit unbekanntem Lernmaterial wird das Kind eingeführt ansonsten arbeitet es selbständig.

„Wir müssen dem Kind dabei helfen, selbst zu handeln, selbst zu wollen, selbst zu denken.“ 

Maria Montessori

Durch die Arbeit mit den Kindern begann Maria Montessori den kindlichen Entwicklungsstand zu beobachten und entsprechende Materialien zu entwickeln. Diese erprobte sie in ihrem ersten Kinderhaus (Casa dei Bambini) in San Lorenzo, Rom. Durch zahlreiche Vorträge vermittelte sie ihr Wissen weiter. So entstanden in Italien und auf der ganzen Welt neue Kinderhäuser. Noch heute hat ihre Pädagogik einen hohen Stellenwert. Im Zentrum ihres Unterrichts stand eine ganzheitliche Erziehung. Sie förderte bei den Kindern ihre individuellen Begabungen und achtete auf die Entwicklung einer ausreichend grossen sozialen und emotionalen Kompetenz. (Bild rechts: Annamaria Fisler, 2013) 

Jedes Kind soll seine Eigenheiten bewahren können, indem es durch selbständige Arbeit seine individuellen Bedürfnisse befriedigt. Sein Selbstvertrauen stärkt sich, seine Persönlichkeit wächst und dadurch die Freude am Mitmenschen und die Fähigkeit zur Gemeinschaft. Gemeinschaft kann nur dort entstehen, wo Verschiedenheit akzeptiert wird. In der Montessori-Pädagogik wird auf die Verschiedenheit der Kinder Rücksicht genommen!

Sensible Phasen, alles zu seiner Zeit

Die kindliche Entwicklung vollzieht sich in Phasen. Den Begriff und die Eigenart dieser sensiblen Phasen, auch sensible/sensitive Perioden, hat niemand so präzise herausgearbeitet und so sorgfältig beschrieben wie Maria Montessori. Worum geht es dabei genau? Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die in der Entwicklung der Lebewesen auftreten. Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, dem Lebewesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald das geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit unwiderruflich wieder ab. So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne. (Montessori 1978) Montessori untergliedert die Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen in vier aufeinander folgenden Phasen. In jeder vorangegangenen sensiblen Phase wird das Fundament für die darauffolgende gelegt.

0 bis 3 Jahre, das Kleinkindalter 

Sensibilität für Ordnung 

Sensibilität für Bewegung 

Sensibilität für Sprache

3 bis 6 Jahre, das Kleinkindalter 

Sensibilität für Bewusstseinsentwicklung

Sensibilität für soziales Zusammenleben 

Sensibilität für die Vervollkommnung bereits gemachter Errungenschaften

6 bis 12 Jahre, die Kindheit 

Sensibilität für neue soziale Beziehungen 

Sensibilität für die Entwicklung eines moralischen Bewusstseins

Sensibilität für Abstraktionen

12 bis 18 Jahre, Jugend- & Pubertätsalter 

Sensibilität für Gerechtigkeit und Menschenwürde 

Sensibilität für soziale und gesellschaftliche Prozesse 

Sensibilität für wissenschaftliche Erkenntnisse 

Sensibilität für politische Verantwortung

Wichtige Merkmale

Die Montessori-Pädagogin 

Sie steht im Hintergrund und beobachtet jedes Kind einzeln. Durch die genauen Beobachtungen, ist sie im Stande die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand des Kindes zu erkennen und es entsprechend für Neues anzuregen. Sie interveniert nicht und leistet nur dann Hilfe, wenn sie vom Kind dazu aufgefordert wird. 

„Die Vorbereitung der Umgebung und die Vorbereitung des Lehrers sind das praktische Fundament unserer Erziehung. Immer muss die Haltung des Lehrers die der Liebe bleiben. Dem Kind gehört der erste Platz, der Lehrer folgt ihm und unterstützt es. Er muss auf seine eigene Aktivität zugunsten des Kindes verzichten. Er muss passiv werden, damit das Kind aktiv sein kann.“ (M. Montessori 1997) 

Die vorbereitete Umgebung 

„Hilf mir es selbst zu tun“: In der sogenannten vorbereiteten Umgebung kann jedes Kind selbst entscheiden, was es arbeiten möchte. Auf diese Art kann es seinen individuellen Interessen nachgehen. Wenn ein Kind das Material noch nicht kennt und noch nie damit gearbeitet hat, zeigt die Montessori-Pädagogin ihm die Handhabung. Manchmal helfen sich die Kinder aber auch untereinander. 

Das Montessori-Material

Was ist eigentlich das Montessori-Material und was kann man sich darunter vorstellen? Das Montessori-Material hat einen starken Aufforderungscharakter, dadurch findet das Kind Interesse an den dadurch vermittelten Lerngebieten. Jedes Material hat seinen festen Platz. Es steht in offenen Regalen und ist nach Bereich sortiert. Das Mobiliar ist in der Höhe kindgerecht und das Material ist dadurch für das Kind immer griffbereit. Jedes Material ist nur einmal vorhanden, so kommen auch soziale Aspekte wie teilen, warten können, Konflikte lösen usw. zum tragen. Das Kind wählt sich ein Material aus und arbeitet solange daran bis es kein Interesse mehr hat. Die Montessori-Pädagogin steht dabei im Hintergrund und beobachtet das Kind. Wenn es Hilfe braucht, interveniert sie, ansonsten arbeitet das Kind selbständig.

Fehlerkontrolle 

Jedes Material verfügt über eine Fehlerkontrolle. Diese ermöglicht dem Kind die Unabhängigkeit vom Erwachsenen. Das Kind erkennt seine Fehler selbst, korrigiert sich auch selbst und kann sich dadurch am eigenen Erfolg freuen.

Freie Wahl der Arbeiten 

Das Kind wählt sich ein Material frei aus und arbeitet so lange daran bis es kein Interesse mehr hat. Dadurch lernt es einerseits, Entscheidungen selbst zu treffen und andererseits, lernt es seine Interessen wahrzunehmen.

Bewegung 

Während des Unterrichts bewegen sich die Kinder frei, dadurch wird der natürliche Bewegungsdrang der Kinder nicht unterdrückt. Das Kind arbeitet am Tisch oder am Boden auf einem Teppich.

Die 5 Bereiche und ihre Anwendungen

Sinnesmaterial 

Im Bereich „Sinnesmaterial“ werden beim Kind alle Sinne angeregt. Sie fördern die Wahrnehmung.

Sprache 

Im Bereich „Sprache“ wird der Wortschatz erweitert und das Sprachverständnis gefördert und es wird eine Einführung ins Lesen und Schreiben angeboten.

Mathematik 

Im Bereich „Mathematik“ wird dem Kind eine Einführung in die Welt der Zahlen und Mengen gegeben. Dabei wird das mathematische Denken gefördert

Kosmische Erziehung 

Im Bereich „Kosmische Erziehung“ werden die Themen zur Welt und Umwelt des Kindes erlebbar gemacht. Es kann dadurch Zusammenhänge erkennen.